Aktion Deutsch-Französischer Tag 2021!

Anlässlich des Deutsch-Französischen Tages 2021 haben das Institut Français Mannheim und der Mannheimer Morgen schöne oder amüsante Anekdoten zum deutsch-französischen Verhältnis gesammelt.

Ein Auszug der schönsten Anekdoten finden Sie hier sowie im Lokalteil des  „Mannheimer Morgen“ vom 22.01.2021 und im „Morgenweb“. Diese werden auch in den Sozialen Medien des Institut Français Mannheim gepostet.

Wir danken allen Autoren ganz herzlich!

Es lebe die deutsch-französische Freundschaft!

Sie haben auch noch eine Anekdote? Die Mannheimer Künstlerin Annika Frank konzipiert aktuell im Auftrag des Institut Français Mannheim die Ausstellung „Baguette & Bratwurst“ zur deutsch-französischen Freundschaft. Unter www.annikafrank.com haben Sie die Gelegenheit, eigene Assoziationen und Geschichten zur Ausstellung beizutragen.

Stefan Willenbücher aus Mannheim

Stefan Willenbücher aus Mannheim

Vor einiger Zeit waren wir in Südfrankreich mit Freunden in Urlaub und hatten ein schönes Ferienhaus gemietet. Das Haus hatte einen Garten und eine tolle Terrasse, das Meer war nicht weit weg und es war tagsüber ein wunderschöner Urlaub. Nur als die Dämmerung kam, fühlte man sich an die Heimat erinnert: die Stechmücken fielen über uns her und machten die Nacht zum Tag. Wir beschlossen also, die Vermieter zu fragen, ob es eine Möglichkeit gäbe, zumindest an den Schlafzimmerfenstern Fliegengitter anzubringen.
Wir beherrschten alle unser Schulfranzösisch, wobei ich derjenige mit den schlechtesten Noten war. Dies sollte sich auch in der Praxis bestätigen. Eine von uns hatte sogar Französisch Leistungskurs im Abitur und legte sich schon die grammatikalisch korrekte Formulierung zurecht, wie man die Problematik den Vermietern am besten vermitteln konnte. In der Erwartung, dass das Andere besser vermitteln würde, beschäftigte ich mich nicht weiter mit dem Thema.
Als jedoch die Vermieter kamen und uns fragten, wie uns das Haus gefällt, schauten mich alle erwartungsvoll an, in der Hoffnung, dass ich die Frage beantworte. Vermutlich lag das daran, dass meine Aussprache nicht schlecht war und ich mit meinem Herumgefuchtel und vielen Füllwörtern fast wie ein Franzose wirkte. Ich sammelte also meinen kompletten Wortschatz in meinem Sprachzentrum und sagte, dass uns das Haus sehr gut gefällt, der Wein klasse ist (wir waren ja in Bandol), die Strände schön und noch einiges mehr. Zum Schluss dann kam ich aber zum Punkt: „…mais il y a beaucoup de moustache voler à la maison“ und „il est ne pas possible de dormir par ce que les moustaches!“ Und dann vollendete ich mit der eigentlichen Frage: „Est ce que il est possible d’installer quelque chose contre les moustaches à la fenêtre?“ Mein erwartungsvoller Blick wurde durch die sehr irritierten Blicke der Vermieter erwidert und das Gelächter war groß als mich meine Freunde auf den Fehler aufmerksam machten.

Alexander Stöckl aus Mannheim

Alexander Stöckl aus Mannheim

Auf der Suche nach einer Unterkunft in meinem Auslandssemester in Frankreich stieß ich vor rund 25 Jahren auf eine Frauen-WG. Keinesfalls wollte man (beziehungsweise frau) das vierte Zimmer an einen Studenten vermieten. Männer, so Anick, der die Wohnung unweit des Hafens von Nizza gehörte, seien Machos und packten im Haushalt nicht mit an. Ich konnte die WG letztlich doch davon überzeugen, es mal mit einem „deutschen Mann“ zu versuchen. Was soll ich sagen: Es war für die Mitbewohnerinnen keine Fehlentscheidung und Alexandres neu eingeführter Putzplan („c’est génial“) galt noch lange nach meiner Abreise als Maßstab für den gemeinsamen Haushalt. Bis heute steht die ehemalige deutsch-französische WG noch in Kontakt.

Anonym aus der Region

Wir waren eine Gruppe von Mädchen und hatten entschieden an der Kirmes des Dorfes teilzunehmen, indem wir das Lied von Gilbert Bécaud „la grosse noce“ (die große Hochzeit) nachspielen. Dazu brauchten wir Jungs, um den Festzug mit Braut, Bräutigam, Pfarrer, Arzt,
Standespersonen, usw. zu formen. Die Jungs aus unserem kleinen Dorf waren nicht sehr begeistert. Eine Grundschullehrerin erzählte uns, dass eine Gruppe junger Deutscher, die in der benachbarten Schule arbeitete, vielleicht einverstanden wären uns zu helfen. Die Grundschullehrerin sagte zu mir:
„Du hast dieselbe Größe wie ich, ich werde dir mein Hochzeitskleid ausleihen. Sieh zu, dass du einen
Bräutigam findest.“
Nachdem wir den Kontakt zu den jungen Deutschen, die sofort einverstanden waren, hergestellt hatten, musste ich einen aussuchen. Ein schöner, junger Mann mit blonden Haaren und hellen Augen hatte sofort meine Aufmerksamkeit geweckt. Ich fragte ihn, ob er mich heiraten möchte und er hat mit einem großen Lächeln im Gesicht zugesagt. Außerdem sprach er Französisch, was den Kontakt vereinfachte.
In der Folge haben wir angefangen uns Briefe zu schreiben und er ist natürlich auch zu Besuch wiedergekommen. Und 3 Jahre später war es er, der mich gefragt hat, ob ich ihn heiraten will und ob ich mitkommen möchte, um in Deutschland zu leben.
Wir haben gemeinsam eine Familie gegründet und 3 Söhne auf die Welt gebracht. Sie sprechen fließend beide Sprachen, haben die doppelte Staatsbürgerschaft und hängen sehr an meiner Heimatregion, wo wir das Haus meiner Eltern behalten haben. Wir haben immer versucht die deutsch-französische Freundschaft zu leben. Leider ist mein Mann kurz nach unserer goldenen Hochzeit infolge einer langen Krankheit verstorben.

Helmut Schäfer Helmut Schäfer

Helmut Schäfer

Als am 27. Dezember 2000 der EC 52 „Heinrich Heine“ um 13:43 Uhr im Bahnhof Paris Est eintrifft und sich die Waggontüren öffnen, schaue ich suchend den Bahnsteig entlang – und da kommt er mir, in Begleitung seiner viel kleineren Frau Ghislaine, entgegen. Wir umarmen uns, zögerlich noch, nachdem wir uns nie zuvor leibhaftig gesehen haben. Wir, das sind Jacques, der kein Wort Deutsch spricht und damals gerade 70 Jahre alt wurde, und ich, Helmut, der damals 53-jährige Sohn seines Halbbruders. Und dann lerne ich „toute la famille“ kennen, als zum stundenlangen Abendessen Tochter Brigitte, Schwiegersohn Gilles und die Enkel Agathe und Clémence dazukommen. Und wenn mein eingerostetes Schulfranzösisch oft „klemmt und holpert“, dann bewahrheitet sich hier tatsächlich, was Jacques in einem seiner ersten Briefe schrieb: „Freundschaft kann mit wenigen Worten wettmachen, was im Dialog vielleicht fehlt“!
Die Gare de l’Est ist nicht die „Endstation“, sondern ein Zwischenstopp, der unsere Lebenswege auf der Drehscheibe unserer ersten direkten Begegnung auf ein neues gemeinsames Gleis bringt. Ein Gleis, dessen Anfang weit zurückreicht in eine Zeit vor unserer Geburt, vor der Geburt meines Vaters. Als meine Großmutter Anna Maier 1983 verstarb, hinterließ sie u.a. ein Album mit Sammelbildern und Ansichtskarten. Eine dieser Kitsch-Postkarten von 1921 zeigte auf der Rückseite in akkurater Handschrift und in gebrochenem Deutsch eine sehr private Mitteilung an meine Oma und in der unteren linken Ecke einen Absender in Frankreich! Dies weckte in mir die Erinnerung an die ausweichenden Antworten, die ich als neugieriger Junge und Enkel erhielt, als ich mich nach der Herkunft meines Vaters, der einen anderen Familiennamen als seine Eltern trug, erkundigte: Er wäre als uneheliches Kind aufgewachsen, da sein leiblicher Vater unbekannt sei. Ich beschloss nunmehr der Sache nachzuspüren und nach langem Suchen kam Folgendes zum Vorschein: Irgendwann im Laufe der Jahre 1919 / 1920 sind sich in meiner Heimatstadt Ludwigshafen am Rhein, Anna, meine Großmutter und Edouard, der junge, hier stationierte Soldat aus Frankreich, begegnet. Dass ich dieser Begegnung meine Existenz verdanke und dass aus ihr ein Kind (mein Vater) hervorging, erfuhr Edouard erst mit 84 Jahren!
Anna und Edouard sind sich schon in einer Zeit, wo neben Grenzen noch Vorurteile und Hass unsere Völker trennten, wider aller Hindernisse als liebende Menschen begegnet. Sie haben aufgezeigt, wie die deutsch-französische Beziehung gelebt werden kann: Auf der Grundlage von Liebe - l’amour -„l’amitiée pour toujours“. Mein Onkel Jacques ist mittlerweile auch verstorben, doch die familiären deutsch-französischen Beziehungen werden nun zwischen seiner Tochter/meiner Cousine Brigitte, deren Familie und uns intensiv weiter gepflegt.

Gudrun Höfer aus Mannheim

Es gibt ja das Vorurteil, dass die Franzosen unpünktlich sind. Als ich einmal eine Mitarbeiterin des Mannheimer Rathauses zu einem Arbeitsbesuch nach Toulon als Dolmetscherin begleitete, hatten wir vormittags um 10 Uhr einen Termin im Rathaus. Auf dem Weg dorthin, der durch den Hafen führte, war herrliches, sonniges Wetter und blauer Himmel. Die Mitarbeiterin sagte: „Setzen wir uns noch ein wenig in die Sonne in eines der netten Hafenrestaurants, die Franzosen sind ja sowieso immer unpünktlich.“ Als wir dann mit Verspätung zum Rathaus kamen, wurde uns gesagt, der französische Kollege sei pünktlich da gewesen und zum Ortstermin vorausgegangen, wir sollten uns jetzt allein auf den Weg dorthin machen. So werden Vorurteile widerlegt!

Als einmal eine offizielle Delegation aus der französischen Partnerstadt Toulon mit dem damaligen Bürgermeister Dr. Trucy in Mannheim zu Besuch war, wurde bei der Stadtführung in Mannheim und auf der Fahrt nach Heidelberg von den verschiedenen Fremdenführerinnen wiederholt erzählt, dass die Franzosen das Heidelberger Schloss zerstört hätten. Als der Bus – wieder zurück in Mannheim – am Stadthaus in N 1 vorbeifuhr, schlug der Touloner Bürgermeister als Wiedergutmachung vor, das Stadthaus zu zerstören (der Neubau war damals heftig umstritten in der Bevölkerung). Im Bus brandete Beifall von den Mannheimer Teilnehmern auf, der Mannheimer OB Gerhard Widder fand das aber überhaupt nicht lustig, was man an seinem finsteren Gesichtsausdruck deutlich sehen konnte.

Rudi Sailer aus Sandhausen

Rotwein zum Frühstück

Im April 1970 war Dieter im Rahmen einer Städtepartnerschaft als Sänger mit dem St. Ilgener Männer-Gesangverein zum ersten Mal in der 700 km entfernten Gemeinde Tigy an der Loire (in der Nähe von Orleáns). Die Sänger sollten die Gründungsfeierlichkeiten in der Festhalle und in der Kirche mit feierlichem Chorgesang umrahmen.
Da es in dem Dorf keine Hotels gab, war die Unterbringung in Familien organisiert. Da Dieter so gut wie kein Französisch sprach und seine Gastfamilie kein Wort Deutsch, war es mit der Verständigung nicht ganz einfach. Immerhin klappte das abendliche Vesper ganz gut. Baguettes, Wurst, Schinken, Käse und vor allem der süffige Rotwein schmeckten dem hungrigen Gast.
Am nächsten Morgen waren ihm Kaffee, Baguette, Butter und Marmelade auf dem Frühstückstisch aber zu wenig. Er war von zu Hause auch Wurst und Schinken gewohnt. Die Madame merkte, dass ihm etwas fehlte, dass er es aber nicht klar sagen konnte, sondern nur auf den Kühlschrank deutete und "Schinken - Jambon?" rausbrachte. Die Madame schaltete schnell, sagte "Ah - oui - Jambon", holte Schinken, Wurst und Käse aus dem Kühlschrank und die Flasche Rotwein und stellte alles auf den Tisch. Zum Entsetzen von Dieter räumte sie aber auch den Kaffee, die Milch und die Marmelade wieder weg. Dieter hätte gerne auch eine Tasse Kaffee getrunken, traute sich aber nicht, das Ganze rückgängig zu machen und war dann doch mit diesem etwas anderen Frühstück zufrieden.

"Französische" Schnecken

Die St. Ilgener Partnergemeinde Tigy liegt 150 km südlich von Paris. Auf der 700 km langen Fahrt nach Tigy oder von Tigy zurück nach Deutschland nahmen wir gerne den "Umweg" über Paris, um so zumindest ein wenig die Luft dieser Weltstadt zu schnuppern und den Eiffelturm, Sacre Coeur und den Triumphbogen im Vorbeifahren zu sehen, denn abends durften wir nicht zu spät in Tigy bzw. in St. Ilgen ankommen. Und so kam es Anfang der 70er Jahre zu einer 8-Tage-Fahrt nur nach Paris mit der Besichtigung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten.
Der Abschlussabend sollte in einem Spezialitätenrestaurant gefeiert werden. Jeder bestellte sich sein Lieblingsgericht. Ich wählte als ersten Gang Schnecken. Das Pfännchen wurde mir an meinen Tisch serviert, die Schnecken dampften appetitlich und brutzelten im heißen Fett. Ich ging mit meiner Nase nah an den Teller und wollte den Duft schnuppern, als eine Schnecke hochspritzte und mich im Gesicht traf. Ich erschrak - der Ober und meine Tischnachbarn auch, aber mit einer Serviette und kaltem Wasser war das Malheur schnell beseitigt. Der Ober wollte dann das Pfännchen abräumen, ich aber sagte ihm: "Nein, lassen sie mir die Schnecken hier, ich esse sie gerne - nur springen unsere deutschen Schnecken nicht so hoch!"

Klaus Hiltscher aus Mannheim

Ein Pariser Freund, der bei der BASF Chemie studierte, überredete mich 1966 dazu, mit ihm nach Paris zu ziehen. Seine Mutter, die Direktorin einer Schule war, würde bestimmt einen Job für mich haben. Mit ihm bin ich dann im Mai 66 nach Paris getrampt. Nach drei Tagen war der Junge verschwunden und ich habe ihn nie wieder gesehen. Ich war in Paris – mutterseelenallein. Anschluss fand ich schnell bei den BEATNIKS, die am Seine-Ufer (mit Blick auf Notre Dame) lebten. Zu der Zeit, in der ich noch keine Unterkunft hatte, ging ich einmal täglich zur Gare de L’Est, um dort einen Franc in mein Schließfach zu werfen, in dem ich meine ganze Habseligkeiten liegen hatte. 
Auf dem Weg zu Fuß zurück an die Seine kam ich an einem Bistro vorbei. Es war ein Samstag, der 30. Juli 1966, 14.00 Uhr. Die Tür zum Bistro war offen. Als ich hinein sah, sah ich, dass man die Tische weggeräumt und die Stühle in 5 Reihen hintereinander aufgestellt hatte, alle in Blickrichtung eines Fernsehers. Als Beatnik war das Geld immer knapp, also habe ich mich an die Tür gestellt und zum TV geschaut. Da ist mir siedend heiß eingefallen, dass heute ja das Fußball-Endspiel zwischen England und Deutschland stattfindet. Die Franzosen fanden das wohl auch interessant. Ich stellte mich also an die Tür, um zuzuschauen. Das ging natürlich nicht lange gut. Der Kellner kam und machte mir klar: entweder reinkommen und was zu sich nehmen oder weitergehen. Ich sagte ihm, dass ich Deutscher bin und im Moment wenig Geld besitze. Dann passierte was, dass mir heute noch leicht Tränen in die Augen treibt. Der Kellner stellte sich vor die versammelten TV-Gucker und erklärte, indem er auf mich deutet, was Sache war. Ich sei Deutscher und habe kein Geld. Daraufhin fing es drinnen an zu rumoren. Alle standen auf, Stühle wurden gerückt und plötzlich, in der ersten Reihe, genau in der Mitte, war ein Stuhl frei. Der Kellner winkte mich rein und deutete auf den Stuhl. Kaum saß ich, kam von mehreren Seiten die Frage was ich trinken und essen wolle. Klar, Vin Rouge und Sandwich (das Gegenstück zum heutigen Burger, den es damals glücklicher Weise noch nicht gab). Die Deutschen verloren das Spiel und nahezu jeder Anwesende kam zu mir, schüttelte mir die Hand und bekundete sein Beileid. Es war unglaublich und sicherlich das schönste TV-Fußball-Erlebnis meines ganzen Lebens.

Olaf Ebling aus Mannheim

Olaf Ebling aus Mannheim

Jambon de Mayence. Der verschollene Schinken!

In den 80er Jahren bekam die Mainzer Stadtführerin Hiltrud Gill-Heine Besuch von französischen Gästen. Diese sangen ihr ein Lied über den "Jambon de Mayence" also den "Mainzer Schinken" vor. Ein französisches Kinderlied ähnlich unserem "Ein belegtes Brot mit Schinken, ein belegtes Brot mit Ei" das in Frankreich jedes Kind kennt. Weder das Lied war Frau Gill-Heine bekannt und viel schlimmer- was ist ein "Jambon de Mayence"???
Dieser Schinken war in Mainz total unbekannt, kein Metzger weit und breit kennt den "Mainzer Schinken". Auch kein einziger Mainzer fand sich der ihn kannte und auch dem Autor dieser Zeilen, Spross einer alteingesessenen Mainzer Familie und dort 36 Jahre bis zum Umzug nach Mannheim wohnhafter Schinkenliebhaber war unwissend und fassungslos als er die Berichte in der Mainzer Lokalpresse las.
Vom Recherchen-Fieber gepackt fand Frau Gill-Heine nach 35! Jahren in einer Bibliothek der Universität Metz einen Hinweis und ein Rezept.
Der "Jambon der Mayence" wurde schon 1534 erwähnt und war ein beliebtes Tauschmittel. Zu Napoleons Zeiten gab es keine Zollgrenzen und der Schinken wurde über die Markthallen von Paris in Frankreich berühmt und oft gegen Hummer gehandelt. Er wurde so beliebt, dass zeitweise sämtliche deutschen Schinken in Frankreich als "Jambon de Mayence" gehandelt wurden. Es gibt in Frankreich sogar den Begriff "Bien Mayencé" also "gut gemainzert". Auch die reichen Wiesbadener kamen gerne über den Rhein um ihn zu erwerben. 1788 erwähnte der spätere US Präsident Jefferson in seinem Reisetagebuch über die gute Mainzer Spezialität. Im zweiten Weltkrieg endete die Geschichte des Jambon de Mayence, nachdem 1942 als letzte Verkaufsstätte die Metzgerei Falk in der Betzelgasse den Bomben zum Opfer fiel und das Rezept in Vergessenheit geriet. Bis sich Frau Gill-Heine um 2006 mit dem entdeckten Rezept an die Mainzer Metzger der "Bruderschaft der Ritter der Blutwurst" wandte, die sich dem Schinken annahmen. Zur Herstellung wird er in Meersalz, Rheinhessenwein und Gewürzen gepökelt, geräuchert und dann 9 Monate getrocknet. Dies war früher der Prozess zur Konservierung. Heute ist er in Mainz wieder in vielen Metzgereien erhältlich, wird in der Mainzer Spitzengastronomie angeboten und ist unter dem Prädikat "Slowfood" gelistet. Frau Gill-Heine hat ein Buch über den "Jambon de Mayence" verfasst, daß beim Stadtmarketing und verschiedenen Mainzer Metzgern verkauft wird.

Dr. Lorenz und Diane Näger aus Mannheim

Dr. Lorenz und Diane Näger aus Mannheim

Es war Anfang der 80er Jahre. Meine Frau und ich machten, damals noch unverheiratet, eine Fahrradtour durch Frankreich, von Avignon durch die provenzalischen Berge zum damaligen Sehnsuchtsort Saint-Tropez und zurück. Eines Abends kamen wir in einem kleinen Bergdorf an. Am Rand des Dorfplatzes fragten wir einen typischen knorrigen Südfranzosen, ob er uns einen Tipp geben könnte, wo wir unser kleines Zelt für die Nacht aufschlagen könnten. Er merkte bald wo wir herkamen und begann, ganz fürchterlich auf die Deutschen zu schimpfen; auf den Krieg, die Nazis, und die Deutschen überhaupt. Wir bekamen einen tüchtigen Schreck. Dann hielt er kurz inne, sein Gesichtsausdruck veränderte sich, er drehte sich leicht seitlich zu seinen Boule-Freunden um und rief laut über den Platz: "Mais maintenant c'est l'Europe!". Dann wies er uns freundlich den Weg zum Zelten auf einer wunderschönen Wiese seines Bauernhofes. Wir lieben die Provence, ihre Landschaften und ihre Bewohner bis heute.

Rainer Strassel aus Mannheim

Rainer Strassel aus Mannheim

Im Jahre 1985 nahm die Abteilung Feudenheim der Freiwilligen Feuerwehr Mannheim an einem Marche Populaire in Haspelschiedt (bei Bitche Departement Moselle) teil. Die Männer der Freiwilligen Feuerwehr Feudenheim marschierten in ihren Einsatzstiefeln. Nach dem Marsch waren einige der Männer der Meinung „Das müssen französische Kilometer gewesen sein“. Selbst erfahrene Marschteilnehmer aus Frankreich äußerten die Ansicht, dass es mehr als die angegebenen Kilometer gewesen waren.
Nach dem Marsch war geplant, Gegrilltes der der Freiwilligen Feuerwehr Haspelschiedt zu essen. Leider war das Wetter sehr schlecht, sodass die mitgereisten Frauen für den Besuch einer Gaststätte plädierten. Der Wirt der Gaststätte war allerdings durch die Zahl der über 40 unerwarteten Gäste hoffnungslos überfordert. Entsprechend lange war die Wartezeit auf das Essen. Unserem Besuch und dem Erlebnis hat das jedoch keinen Abbruch getan. Als die Teilnehmer mit der weitesten Anreise haben wir sogar noch einen Pokal bekommen. Die Rückfahrt nach Mannheim (mit entsprechendem Vorrat an französischem Rotwein) ist unvergesslich.

Paula Schmidt aus Ludwigshafen

Paula Schmidt aus Ludwigshafen

Wer hätte gedacht, dass man bei einem Schüleraustausch sogar die eigene Region besser kennenlernen könnte? Nachdem wir Schüler*innen des Theodor-Heuss-Gymnasiums Ludwigshafen und des Lycée Jean de Pange uns bereits durch eine sehr lange Führung einer etwas ermüdenden Ausstellung gekämpft hatten, über das glatte Kopfsteinpflaster des verregneten Speyers zurück zum Bahnhof geschlittert waren und nur noch einen heißen Becher café au lait vor Augen hatten, quetschten wir uns zunächst mit der halben Bevölkerung der Metropolregion in einen Zug (zum Glück noch vor Corona).
Der Traum des café au lait war einigen französischen Schüler*innen wohl etwas zu Kopf gestiegen - und nach all den Strapazen fanden wir deutschen Schüler*innen es in der Tat nicht mehr ganz so marrant, dass sich drei französische Austauschschüler*innen entschieden, unterwegs an unterschiedlichen Haltestellen auszusteigen und in neue Züge hineinzusteigen. Il a y eu un manque évident de communication, aber wir deutschen Schüler*innen beschlossen, unseren französischen Freund*innen mit einer Such-und Sammelaktion zur Hilfe zu eilen, wie die Welt sie noch nicht gesehen hatte. Bisher unentdeckte Bahnhaltestellen wurden abgesucht, Fahrpläne auf den Kopf gestellt und Handyakkus leer telefoniert (dank EU freie Roaming-Gebühren!). Zwei Stunden später war es soweit: Nach mehreren Nervenzusammenbrüchen, einer Notration Coffee to go und dank pons.de waren wir nun wieder vereint in deutsch-französischer Freundschaft, die alle Hindernisse überwunden hatte. Vive la communication et l’amitié franco-allemande !

Michael Sinthern aus Mannheim Michael Sinthern aus Mannheim

Michael Sinthern aus Mannheim

Der nicht mehr fremde Fremdenlegionär!

Mit einem Kumpel reiste ich im Alter von 21 Jahren mit Rucksack per Anhalter zu einem 4wöchigen Trip an die Côte d‘Azur. Wir hatten irgendwie erfahren, dass man angeblich am Strand von Nizza übernachten darf. Das wäre natürlich eine super Gelegenheit, kostengünstig in einem Luxusort Urlaub zu machen. Wir nahmen uns Schließfächer am Bahnhof und nur das Nötigste an den öffentlichen Strand mit, direkt am Hotel Beau Rivage. Dort hausten ca. 20-30 junge Leute aus ganz Europa. Unter anderem ein Schotte, der nach einem Tag schon krebsrot war und eine Gruppe französischer Punker. Da ich in der Schule Leistungskurs Französisch hatte, war das eine gute Gelegenheit, die Sprachkenntnisse gezielt anzuwenden. Die Punker lebten vom abendlichen Feuerspucken an der Promenade d’Anglais. Wir vereinbarten, dass wir gemeinsame Sache machen. Unsere Aufgabe war es, die deutschen Touristen zu einer Spende für "unsere französischen Freunde" zu bewegen. Das klappte so hervorragend, so dass sich alle Rotwein, Baguette und Obst im Überfluss leisten konnten. Wir schliefen unmittelbar an einem Holzzaun des privaten Strandclubs des Hotels, der nachts von einem uniformierten Mann mit Deutschem Schäferhund bewacht wurde, Monsieur Sciotto aus Cagnes-sur-Mer. Wir kamen abends ins Gespräch und luden ihn zu Wein und Baguette ein. Daraus entwickelte sich ein Ritual: Wir kraulten seinen Hund und er erzählte uns Geschichten von seiner Zeit bei der Fremdenlegion. Eines Nachts zog starker Regen auf und wir überlegten schon, uns in den Abwasserkanal am Strand zurückzuziehen. Plötzlich stand Monsieur Sciotto am Zaun, legte den Zeigefinger warnend auf seine Lippen und bedeutete uns, ihm leise zu folgen. Er führte uns beide zu dem überdachten Strandliegen und wir durften im Luxusclub im Trockenen übernachten.

Gehe in das Gefängnis. Begib dich direkt dorthin?

Eines Tages wanderten wir mit einem am Strand kennengelernten Mülheimer aus dem Ruhrpott von Mandelieu-de-Napoule zum Lac de Saint-Cassien, eine 21 km lange 2 Tagestour mit 1000 Höhenmetern durch die Berge mit vollem Gepäck – wir Schlaumeier. Wir übernachteten in einer Bushaltestelle bei Tanneron. Völlig erledigt schlugen wir unser Zelt am nächsten Tag an einer schönen Bucht direkt am See auf und genossen das Bad im kühlen Nass. Am Abend überflog uns ein Flugzeug in geringer Höhe, als wir gerade den Klassiker auf dem Gaskocher zubereiteten: Ravioli aus der Dose. Prompt tauchten am nächsten Morgen 2 Polizisten auf, als wir gerade Pulverkaffee kochten. Ich sagte meinen Kumpels, sie sollen den Mund zu halten und begrüßte die Staatsmacht freundlich in breitem Französisch. Sie sahen gar nicht freundlich sondern ernst aus. Als sie hörten, dass wir über 20km zu Fuß hierher marschiert waren, waren sie sichtlich beeindruckt. Wir dürften kein offenes Feuer machen, vor allem wegen der Waldbrandgefahr und zelten schon mal gar nicht. Ich argumentierte, dass wir kein Feuer gemacht, nur einen Gaskocher genutzt (den wir auf dem extra durch uns angefeuchteten Boden verwenden) und auch unseren Müll eingepackt hatten. Einer der Polizisten zückte eine Broschüre, auf der stand, dass unser Verstoß pro Person 3.000 Francs Strafe kostet (damals 1.000 DM, heute circa 940€), wahlweise 3 Tage Gefängnis. Ich zückte geistesgegenwärtig meinen in drei Sprachen, auch Französisch, abgefassten Feuerwehrdienstausweis. Ich sagte „Ici ma carte d’identité professionnelle des sapeurs-pompiers“. Als ich diese „Du kommst aus dem Gefängnisfrei-Karte“ ohne einen Knoten in die Zunge zu bekommen präsentierte, runzelten beide die Stirn. Sie fixierten mich eine Weile. Der eine sagte, wir sollen umgehend unsere Sachen packen. Sie lassen uns laufen, weil ich ihre Sprache gut spreche und umsichtig war. Das wäre bei Deutschen selten. Wenn Sie uns noch mal erwischen, wandern wir umgehend ins Gefängnis. Wir machten uns ins nächste Dorf auf. Dort trafen uns die beiden Polizisten und grüßten uns, als wären wir beste Freunde. Der Bus nach Cannes war schon weg, so übernachteten wir in der Bushaltestelle am Bouleplatz, weil den Weg keiner von uns zurücklaufen wollte.

Dirk Volker Mehl aus Mannheim

In den siebziger Jahren habe ich das Lessinggymnasium in Mannheim besucht und dort sehr intensiv den Schüleraustausch mit dem Lycée Dumont d‘Urville in unserer Partnerstadt Toulon begleiten dürfen. Nach kaum 3 Wochen Französischunterricht saß ich mit unserer Leichtathletik-Schulmannschaft im Nachtzug Richtung Toulon. Als Zulassungskriterium war die Unterbringungsmöglichkeit eines Gastfranzosen bei dem Gegenbesuch weit wichtiger als die Sprache oder sportliche Leistung. Es ging schließlich um Austausch. Schon mit einer Situation im Zug hatte ich die Lacher auf meiner Seite und weckte meinen Ehrgeiz mich intensiv um das Französische zu bemühen. Gegen 4 Uhr morgens wurden wir durch einen Halt auf einem Bahnhof wach und ich linste durch einen Spalt am Verdunkelungsrollo und sah auf einen menschenleeren Bahnsteig. Auf die Frage wo wir denn gerade Halt machen, las ich von einem blauen Anzeigeschild den „Ortsnamen“ „wir sind gerade in Sortie“ antwortete ich ernsthaft und sorgte somit für erstes Gelächter an diesem Tag.
In Toulon angekommen, durfte ich zunächst für 3 Tage in das dem Gymnasium angeschlossene Internat. Ein französischer Lehrer fuhr mich hin. Ohne Sprachkenntnisse fühlte ich mich ziemlich verloren, zumal er mich ohne weitere Erklärung einem Schüler übergab, der das Weitere für mich veranlassen sollte. Heute bin ich überglücklich in ihm einen lebenslangen Freund, einen Bruder im Geiste gefunden zu haben. Auch nach bald 50 Jahren sehen wir uns noch regelmäßig und haben dauernd Kontakt.
Er begrüßte mich in einer Mischung aus hochdeutsch und schwäbisch und erzählte von Bekannten in Schwenningen, was die Kommunikation natürlich deutlich erleichterte. Er lud mich sofort zu sich nach Hause ein. Dort wurde ich von der Mutter des Hauses auf das Herzlichste aufgenommen, nicht ohne sofort auf die Fallstricke einer fremden Sprache hingewiesen zu werden und auf die Notwendigkeit diese zu lernen. Geradezu überschwänglich nahm sie mich in die Arme und sagte auf Deutsch zur Begrüßung: „Auf Wiedersehen“… Was wir in den Jahren darauf immer wieder taten.
Die vielen neuen Kontakte und das Gefühl für diese wunderschöne Sprache hatten mich im Anschluss an diese Reise sehr motiviert Französisch zu lernen bzw. zu sprechen. Es folgten zunächst zwei private Besuche und dann wieder einmal ein Schüleraustausch. Der erste Besuch meines Freundes lief wie folgt ab: Per Interrail wollte er einen Zwischenstopp einlegen, zwei Tage bleiben und dann weiter nach Hamburg... Er blieb für zunächst eine Woche um dann traurig weiterzureisen und zwei Tage später für den Rest der Reise wieder bei uns einzuziehen...
Zwei Jahre später konnte ich mit Stolz auf die Frage, wie es denn mit Französisch stehe mit einem selbstbewussten „couramment“ antworten. Dies bei einer Einladung zum Abendessen auf eine eher peinliche Art und Weise. Bei einer Einlassung über jüngst Erlebtes verstärkte ich mein Mißfallen über ein Ereignis mit dem umgangssprachlich verbreiteten drastischen Ausdruck „merde“… Nicht genug, dass mir dieser Fauxpas passierte, ich bemerkte ihn sofort, lief rot an und kommentierte den Ausrutscher sofort mit einem herzhaften „oh, Putain“ um ihn zu entschuldigen… Wenn auch nicht politisch korrekt... Ich war in der Sprache angekommen. Mein Dank geht hier auch an meinen ersten überaus engagierten Französischlehrer Herrn Mehrer.

Brigitte Hauser aus Weisenheim

Brigitte Hauser aus Weisenheim

Eine "infusion" mit Schrecken

Das Essen in Frankreich ist bekanntlich vorzüglich und bei Brigitte Hauser, Vorsitzender des Freundeskreises, äußerst beliebt. So kam es auch, dass sie gleich beim ersten Besuch in Frankreich ihren Magen überstrapaziert hatte und etwas ausruhen wollte. Sie erklärte deshalb, dass sie sich vorher noch einen Tee kochen wolle. Dazu muss man sagen, dass sie bei einem französischen Zahnarzt wohnte, dessen Frau als Arzthelferin in der Praxis mitarbeitete. Diese sagte nun, dass sie ihr eine "infusion" machen wolle. Eine Infusion? Durchzuckte es Brigitte Hauser, nein, nie im Leben würde sie sich hier eine Spritze geben lassen, das wäre ja noch schöner, gerade da sie Spritzen so hasste. Und sie versuchte mit vielen Worten, zu erklären, dass sie keine "Infusion" benötige. Was sie aber nicht wusste, war, dass "infusion" auf Deutsch Kräutertee hieß, den sie sich ja zubereiten wollte. Was wir Infusion nennen, heißt im Französischen „perfusion“! Aber es dauerte noch eine ganze Weile, bis die beiden Frauen merkten, dass beide ja das Gleiche machen wollten: eine Infusion aus Kräutern, einen Kräutertee! Viele neue Worte hatte sie wieder vergessen, aber die Bedeutung von "infusion" und "perfusion" blieben ihr immer im Gedächtnis.

St. Gengoux --- Zwischenstation für Urlauber

Die Freundschaft zwischen Christine und Marie-France führte natürlich auch zu engen Kontakten der Eltern untereinander. Der Vater von Marie-France war Tierarzt, was bei der Viehhaltung vor Ort ein sehr wichtiger Beruf war. Ilona Letulé erzählt nun von einem weiteren Erlebnis mit dieser Familie: Immer, wenn wir auf dem Weg nach Südfrankreich sind, machen wir Station in St. Gengoux. Wir werden herzlichst empfangen, bestens versorgt und gut unterhalten. Die Hände und Füße brauchen wr immer noch, um uns einigermaßen zu unterhalten, aber Fortschritte haben wir alle bereits gemacht. Vor einigen Jahren erkundeten wir in den Sommerferien Burgund. Wir hatten ein Zelt (größere Hundehütte) dabei. Die kleinen Freuden eines Urlaubsaufenthalts blieben nicht aus. Wolfgang bekam am ganzen Körper "flohähnliche" Stiche und ich einen dicken Knöchel. Was tun? Auf, zu den Barthelemys, der Familie, die wir von der Jumelage kannten! Jean war gerade beim Tapezieren oder Streichen. Ein Blick von der Leiter - und er wusste Bescheid! Schließlich ist er ja Tierarzt! Er versorgte erst Wolfgang, dann gab er mir eine Salbe - mit den vielversprechenden Worten: "Was für die Kuh gut ist, wird wohl auch dir helfen." Diesen Satz hatte ich voll verstanden. Denn für die Kuh, bei Feinschmeckern auch „Charolais“ genannt, wird in Burgund nur das Beste verwandt.

Angela Pöschl aus Mannheim

Es war in den 80 zigern, als ich mit meiner kleinen Tochter nach Paris fuhr, um Freunde zu besuchen. Ich besaß einen alten Opel Kadett, mit kleinen Knöpfchen zum Runterdrücken an den vorderen Türen, um das Auto abzuschließen, den praktischen dreieckigen Ausstellfenstern an der Fahrer- und Beifahrerseite und dem plärrigen Auspuffgeräusch- schon damals eine unangenehme Lärmbelästigung. Meine kleine Tochter hatte einen Herzenswunsch: sie wollte Ohrringe mit Eiffelturm. Die gab die es in den Galeries Lafayette zu kaufen, dem berühmten Pariser Kaufhaus im Zentrum der Stadt. Am Tag der Rückfahrt nach Deutschland, sagte meine Tochter traurig:

„Du wolltest mir doch die Ohrringe kaufen, Mama!“ Also noch schnell dorthin gefahren!

Schnell war nur der Parkplatz gefunden, im absoluten Haltverbot an der Liefereinfahrt der Alten Oper, in Sichtweite des Kaufhauses. Ich würde einen Zettel an meiner Windschutzscheibe anbringen und um Verständnis für mein unerlaubtes Parken bitten. Wir stiegen hastig aus. Ich drückte die Knöpfchen runter und schlug die Autotür zu.

Zu spät! Der Autoschlüssel steckte im Autoschloss, das Auto war zu. Schockstarre!

Ein Hammer muss her, um das Dreieckfenster einzuschlagen, am besten das an der Beifahrerseite wegen des Fahrtwindes. Dann das Knöpfchen irgendwie hochziehen. Ob die im Kaufhaus einen Hammer haben? Ich muss ziemlich verzweifelt ausgesehen haben, mit meiner kleinen Tochter an der Hand, mein Auto in der Liefereinfahrt der Alten Oper, und noch dazu mit deutschem Kennzeichen! Da hielt ein großer Peugeot an. Ein gut gekleideter Franzose stieg aus und fragte, wie er mir helfen könne. „Haben Sie zufällig einen Hammer in Ihrem Kofferraum“ sagte ich unsicher. Er ging an sein Auto, öffnete den Kofferraum, holte einen Edelstahlring heraus, an dem eine Menge verschiedenster Schlüssel hingen und öffnete ruck zuck meine Autotür. Wieder Schockstarre. Im Nu war er weggefahren, ich konnte mich nicht einmal richtig bedanken. Mein Versprechen hatte ich eingehalten, es gab auch keinen Ärger wegen des verbotenen Parkens. Ob es ein Autodieb war oder einer vom Schlüsseldienst? Ganz gleich, es war ein Helfer in großer Not.